Lagerbock Reparatur bei den Luft-Ölgekühlten Motoren von Suzuki.
Erst mal eine kurze Einleitung:
Wie einige vom GSXF-Forum ja wissen, baue ich mir, rein als Hobby, ab und zu über den Winter einen neuen (gebrauchten Motor) zusammen. Die entsprechenden defekten Motoren kaufe ich in ebay oder sonst wo zusammen. Dann wird das ganze komplett demontiert, vermessen und wenn nötig, nach und nach die noch fehlenden Teile ersteigert. Neuteile sind generell natürlich alle Dichtungen. Im Moment habe ich gerade den vierten 750er Motor auseinander und auch bis auf den Zylinderkopf schon wieder zusammen.
Die einzigen echten Defekte die ich bisher an allen 4 Motoren und auch an weiteren 4 Zylinderköpfen hatte waren :
1. Nockenwellen und jede Menge Schlepphebel
2. bei den Nockenwellen Lagerböcken das Gewinde zur Befestigung des Ventildeckels.
Eine kurze Erklärung warum dieses Gewinde so häufig defekt ist:
wer sich die Schraube zur Befestigung des Ventildeckel am Lagerbock mal genauer ansieht, wird erkennen, dass das M 7x1 Gewinde nur 12 mm lang ist und dann ein Ansatz von 10mm Durchmesser kommt. Die Schraube kann also max. diese 12 mm eingeschraubt werden dann sitzt der Absatz auf dem Lagerbock auf. Wenn jetzt zwischen dem Ventildeckel, der Dichtung und der Schraube irgendwo Öl austritt, versucht wahrscheinlich jeder der die Geometrie der Schraube nicht kennt das ganze durch nachziehen der Schraube wieder dicht zu bekommen, zumal ja diese Dichtungen nicht gerade ein Sonderangebot sind. Da die Schraube aber ja schon auf dem Lagerbock aufsitzt, ist der einzige Erfolg den man durch das Nachziehen erzielt, ein zumindest beschädigtes Gewinde im Lagerbock. Für die Grobmotoriker unter den Schraubern ist es aber auch überhaupt kein Problem, das komplette Gewinde aus dem Lagerbock mit links zu "entfernen". Um einen leichten Ölaustritt an dieser Stelle zu beheben gibt es eigentlich nur 2 Lösungen. Schraube raus, neue Dichtung rein. Schraube wirklich vorsichtig wieder anziehen. Falls das Gewinde schon vorgeschädigt ist, nutzt übrigens auch ein Drehmomentschlüssel nichts mehr, dann gibt man dem Gewinde auch mit dem vorgeschriebenen Anzugsmoment von 13-15 Nm den Rest. Die zweite Möglichkeit, so wie ich Sparbrötchen es mache: Schraube und Dichtung raus, alles gut reinigen (entfetten), auf beiden Seiten der Dichtung eine geeignete Dichtmasse (ich nehme Dirko) satt auftragen. Dann die Auflageflächen am Ventildeckel und der Schraube wieder leicht einölen. Jetzt das ganze wieder von Hand zusammenschrauben. Soweit anziehen bis die Dichtmasse unter der Schraube rauskommt. Über Nacht stehen lassen bis die Dichtmasse fest ist. Am nächsten Tag alles wieder raus, die Ränder der jetzt ca. 1mm dickeren Dichtung beschneiden (säubern) und alles wieder zusammen bauen. Hört sich vielleicht kompliziert an ist es aber nicht und es hält wahrscheinlich ewig. Ich habe jedenfalls so eine Eigenbau Dichtung noch nie wechseln müssen.
Nockenwellen gibt es bei ebay öfter mal, aber fast nie von den F- Motoren. Macht aber nichts, da man z.B. bestimmte Nockenwellen der R- Modelle und auch von der Bandit verwenden kann. Da wird die Abstimmung wenn der Motor eingebaut ist dann wenigstens richtig interessant. Schlepphebel kann man auch meist einfach von einem anderen Kopf nehmen.
Ganz anders sieht es bei den Lagerböcken aus,
denn
die passen ganz exakt, nur auf den dazugehörigen Zylinderkopf !!!!
Das liegt
daran, dass bei der Fertigung der Zylinderköpfe die Lagerböcke komplett
fertig montiert werden. Dann erst werden von der Seite her die Lagerbohrungen
für alle Lagerstellen mit dem entsprechenden Werkzeug, durch den
kompletten Zylinderkopf hindurch angebracht. Wenn nun die Position
dieser Bohrung von einem zum nächsten Zylinderkopf auch nur um 1/10 mm
abweicht, hat das auf die Funktion und das Lagerspiel überhaupt keinen
Einfluss.
Da das
Lagerspiel bei einem neuen Motor etwa 5/100 mm beträgt und man nun von einem
anderen Motor eine obere Lagerschale verwenden will der genau diese
1/10mm bei der Fertigung abweichend gebohrt wurde, dann klemmt dieser
Lagerbock eben an irgendeiner Stelle mit der Differenz der abweichenden
Bohrung - minus Lagerspiel. An der gegenüberliegenden Seite ist es umgekehrt.
Da hat er dann ein viel zu großes Spiel. In diesem Beispiel dann eben 1/10 mm
von der abweichenden Fertigung + das normale Spiel von 5/100 mm = 15/100mm.
Das ist dann genau der Wert den Suzuki als Verschleißgrenze angibt.
Ich hoffe ich konnte das ganze für Hobbybastler verständlich erklären und
klarmachen warum eine Reparatur der Gewinde an den Lagerböcken sinnvoll ist.
Man kann natürlich auch, wie ich das Anfangs auch getan habe, Zylinderköpfe
sammeln und hoffen das man dann evtl. einen passenden Lagerbock dabei hat.
Die möglichen Reparaturmethoden:
Hier will
ich mal einen kleinen Überblick der mir bekannten Reparaturmöglichkeiten
geben.
1.
Originalgewinde M 7x1 nachschneiden
Hält
wenn man Glück hat in der Regel genau 1x einschrauben aus, dann ist es wieder
platt.
2.
Aufbohren und neues M8 Gewinde schneiden.
Neue
Schrauben besorgen und hoffen, dass es dicht bleibt. Die größte Gefahr dabei
ist aber folgende: durch das Aufbohren wird der Stutzen des Lagerbock' s
in dem das Gewinde sitzt so geschwächt, dass nur noch eine geringe
Wandstärke vorhanden ist. Das M8 Gewinde wird da sicher nicht mehr
ausreißen, dafür fliegt der komplette obere Teil des Lagerbockes weg. Dann
wird eine Reparatur richtig schwierig. Es gibt da aber geniale
Eigenbaukonstruktionen , die auch halten aber eigentlich nicht notwendig
wären.
3. Helicoil oder
ähnliche Einsätze
M7x1
Einsätze sind nicht an jeder Ecke zu bekommen. Bei der Verarbeitung wird
häufig nicht sauber gearbeitet, auch von mindesten einer mir bekannten
Fachwerkstatt nicht. Mir bekannte unsachgemäße Verarbeitung: Freihand bohren
und Gewindeschneiden. Zu tief bohren und auch das Gewinde schneiden. Dadurch
schraubt sich der zu kurze Einsatz beim anbringen der Schraube immer weiter
rein. Die Schraube greift nur noch an den oberen Gewindegängen und zerstört
so den Einsatz.
Ich möchte aber noch mal betonen, dass das alles Dinge sind, die nur bei
falscher Verarbeitung der Einsätze passieren können.
Jetzt kommt die
Reparatur die mich überzeugt hat:
Bilder von der Reparatur sind schon im Fotoalbum zu sehen und ein Text kommt auch noch.
Eine Beschreibung in Stichworten wie ich die Reparatur durchführe:
1. Alte Gewindebohrung reinigen
2. Tiefe der alten Bohrung messen und den beiliegenden Bohrer auf die entsprechende Bohrtiefe einstellen. (gemessene Bohrtiefe -1mm)
3. altes Gewinde ausbohren
4. Ansenken für den Bund der Hülse bis zum Anschlag des Senkers
5. Zwischen jedem Arbeitsgang die Bohrung mit Pressluft ausblasen.
6. Neues Gewinde schneiden
7. Hülse bis zum Aufsitzen des Bundes einschrauben, geht wenn alles sauber ist ganz leicht mit der Hand. Wenn der Bund der von mir verwendeten 14 mm langen Hülse exakt aufsitzt, ist der Lagerbock oben auch wieder bündig und die abgesetzte Schraube zur Befestigung des Ventieldeckels kann bis zum Aufsitzen eingeschraubt werden.
8. Jetzt kommt der für die spätere Haltbarkeit wichtigste Schritt, das verpressen der Hülse mit dem vorher geschnittenen Gewinde im Lagerbock. Dafür wird ein extra Werkzeug benutzt. Das sieht aus wie eine Art Schraube in Gewindeschneiderform, ist aber nicht rund sondern am Anfang wie ein Vierkant. Durch das Einschrauben dieses Werkzeuges in die dünnwandige Gewindebuchse wird diese nach außen gepresst und sitzt wirklich bombenfest. Ich hatte mal zum Testen eine Hülse bewusst nicht komplett eingeschraubt, sondern ca. 5mm überstehen lassen und dann verpresst. Selbst mit einer Gripzange habe ich diese Hülse nicht wieder herausbekommen, sondern nur zerquetscht. Das war zwar für mich ärgerlich weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass ich den Gewindeeinsatz gar nicht mehr herausbekomme und der Lagerbock dann im Müll gelandet ist, aber für mich auch der Nachweiß dass die Hülsen wirklich bombenfest sitzen.
Für alle diese Arbeitsgänge verwende ich eine Ständerbohrmaschine. Ausnahme ist das Einschrauben der Gewindehülse wie in Punkt 7 schon geschrieben. Außer beim Ausbohren und Senken benutze ich aber nicht den E-Antrieb, sondern entferne den Riemen und drehe das Bohrfutter von Hand.
Hier ist unser Angebot an alle die auch defekte Lagerböcke in Ihren Motoren haben und eine ordentliche Reparatur haben möchten.
Wir bieten euch an eure defekten Lagerböcke zu reparieren.
Wir, das sind:
Scrambler (Tanja) hatte die Idee
DerDan (Daniel) hat das Werkzeug besorgt und finanziert.
HH750 (Helmut) repariert die Dinger
Bei Interesse wendet euch am besten an den Daniel
So, jetzt ist dieses Kapitel auf meiner Seite auch erst mal endlich fertig.